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Rössleweg - The race!

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Rössleweg - The race!

Ein runmob in der DUV-Statistik
Die Geschichte
Wenn Chris mal ins Rollen kommt, dann ist er nicht mehr zu bremsen.

Aus der losen Idee, das Rössle mal etwas schneller zu rocken, wurde ein Rennen mit Zeitnahme, das zu guter Letzt sogar seine Aufnahme in den Laufkalender der DUV fand. Dementsprechend groß war plötzlich der run auf die Anmeldung, sodass die Startliste notgedrungen nach gut 30 Startern geschlossen werden musste. Aber Ultras sind eben immer auf der Suche nach Veranstaltungen außerhalb der Saison, da kam für viele wohl das Rössle gerade recht.

Die Begeisterung am Rössle setzte Chris hingegen plötzlich unter Druck. Ständig war er auf der Strecke, um den Track zu optimieren - viele Wege führen nicht nur nach Rom, sondern auch rund um den Kessel - und an div. Abzweigungen Markierungspfeile anzubringen. Schon viele haben sich hier verlaufen, nur selten wurde bisher die identische Strecke gelaufen.

Und mit der Begeisterung steigerte sich auch die Hilfsbereitschaft. Drei Verpflegungsstellen - verteilt auf der Strecke - sollten als Anlaufpunkte dienen. Plötzlich war aus dem improvisierten "runmob" eine perfekt organisierte Veranstaltung geboren... und das ohne Startgeld.
Mein XII. Rössle
Irgendwie ist das Rössle ja auch mein Baby. Seit ich vor mittlerweile 4 Jahren das erste Mal Stuttgarts Kessel umrundet habe und die Facebook-Gruppe eröffnet, vergeht kaum ein Monat, indem sich nicht eine mehr oder minder große Gruppe auf den Weg macht. 140 Mitglieder tauschen sich mittlerweile rege in der Gruppe aus, da steckt echt Leben drin.

Deshalb fühle ich mich heute auch verpflichtet, mich nicht zu blamieren, wenn es das erste Mal auf Zeit geht. Die Bedingungen dafür sind allerdings nicht unbedingt prickelnd; zum einen stehe ich erst seit wenigen Tagen wieder etwas stärker im Training (Keine Kondition, dafür mächtig schwere Beine) und die Startliste offenbart ein paar echte Raketen, nicht zuletzt Chris, der mir im Frühjahr beim Plain Vanilla noch locker das Nachsehen gab und seitdem eine bombastische Saison gelaufen ist.

Also bleibt mir nur eine Strategie:

Von Anfang an mitgehen und hoffen, so lange wie möglich dran zu bleiben an der Spitze, wer auch immer sich da tummeln würde!



Das Rennen!
Die Wetterbedingungen heute sind glücklicherweise gut, eisig kalt zwar, aber statt dem gestrigen Dauerregen soll heute doch ein ums andere Mal die Sonne hervorblinzeln. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde und einem Gruppenphoto gehts dann auch pünktlich um 8 Uhr auf die Strecke.

Wir erwischen auf den Brücken nach Hedelfingen eine "grüne Welle" :-) und verschwinden schnell in den Hängen der mittlerweile kahlen Weinberge. Das Tempo ist nicht übermäßig hoch, doch sportlich angesichts dessen, was uns noch bevorsteht. Das Feld hat sich auch nach kurzer Zeit schon weit auseinander gezogen, was klar war. Viele nutzen den heutigen Tag als gemütlichen Saisonausklang; nur rund zwei handvoll Läufer sind ambitioniert und machen vorne das Tempo. Einsetzender Schneefall und ein Photoshooting von Nawid vertreiben uns die Zeit bis zum Birkenkopf. Jetzt hilft mir meine Ortskenntnis. Wo sich andere jetzt erst mal orientieren müssen, um den rechten Weg zu finden, kann ich gezielt durchlaufen, was mich letztendlich an die Spitze spült. Dort gruppiert sich ein nettes Fünferfeld, dass recht gut harmoniert und gemeinsam die Verpflegungsstellen auskostet. Weitestgehend in Kontakt bleiben Radu und Markus, die vor allem an der Verpflegung am Birkenkopf und Lindenbachtal zu uns aufschließen und zum Teil vorbei eilend unser Grüppchen sichtlich nervös machen. Hier lässt sich auch erkennen, wer heute ambitioniert ist.

Auf den Höhen des Lembergs geben alle ordentlich Gas; die Downhills nehmen ebenfalls an Rasanz deutlich zu, zumindest bis wir die Entflohenen gestellt und wieder distanziert haben. Wenig später dann am Dachsrain trennt sich Spreu von Weizen ein wenig. Der Anstieg auf der Öhringer Straße, die Steilen Treppen und der weiterhin ansteigende Fahrweg oberhalb der Krailenshalde und dem Islandpferdezentrumshinterlassen erste Spuren. Trotzdem bleiben wir weiterhin zusammen, steuern Gunters Verpflegungspunkt beim Robert-Bosch-Krankenhaus immer noch gemeinsam an.

Dort schießt Radu ohne anzuhalten vorbei, was unseren Stopp deutlich verkürzt. Es geht hinterher, niemand will ihn aus den Augen verlieren. Was sich als nicht einfach erweist, denn Radu macht ordentlich Druck. Vor allem Karl-Magnus hat offenbar keine Lust, das Rennen nicht im Blick zu behalten. Den Zuckerberg hoch muss dann auch ich abreißen lassen. Eigentlich müsste ich mal kräftig austreten, was hier in der Gegend unmöglich ist. Also kämpfe ich mich weiter und halte doch immer noch den Anschluss, wobei mir die Cannstatter Ampeln ordentlich zu Hilfe kommen.

An der Lerchenheide fällt dann eine erste Vorentscheidung, Filip und Andreas müssen abreißen lassen. Karl-Magnus hat im Sturm auf die Höhe unser Grüppchen endgültig gesprengt. Wenig später schießt er auch an Radu vorbei, sodass wir in folgender Reihenfolge die Rotenberger Steige in Angriff nehmen. Karl-Magnus voraus, Chris und ich gemeinsam, Radu mit knappen Abstand hinter uns.

Doch schon oben auf der Grabkapelle zeigt sich mir das Bild wieder völlig verändert. Karl-Magnus ist schon längst im Downhill, Chris kommt mir gerade entgegen und Radu ist schon auf seiner Runde um die Kapelle. Bergab hat sich die Szenerie noch weiter entzerrt. Ich nutze die Pendelstrecke für einen Blick nach Hinten, wo ich aber nur noch Filip mit Andreas und auf dem Sattel Markus erleben darf. Doch plötzlich reiht sich Karl-Magnus wieder knapp hinter mir ein. Er hat sich wohl kurz verlaufen und kommt mir am Abzweig entgegen. Radu und Chris nehmen kurz vor mir die letzte Kuppe in Angriff und stürzen sich in den letzten Downhill, ich hinterher. Erst kurz vor Obertürkheim kann ich dann auch noch Karl-Magnus abschütteln und somit recht entspannt die letzten Meter bis ins Ziel in Angriff nehmen.

Damit hätte ich heute Morgen nie und nimmer gerechnet. Doch das Glück ist wohl mit den Tüchtigen; wobei mir meine Ortskenntnis schon ein wenig geholfen haben. Als Gesamtdritter laufe ich ins Ziel, herzlich empfangen von Chris reizenden Damen. Viel Zeit zum Verweilen im Ziel bleibt allerdings nicht. Schnell kriecht mir die Kälte in die Klamotten und ich zwinge meinen müden Körper nach Hause. Zum Glück bleibt mir nach einer belebenden Dusche noch ein wenig Zeit, viele Finisher zu empfangen.

Danke an Chris... gerne wieder; dann halte ich mich aber wohl ein klein wenig zurück!


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